Sehr gut kann ich mich noch an den ersten Fohlenmarkt erinnern, auf dem ich vor Jahren durch Zufall war. Das was dort geschah ging mir lange nicht aus dem Kopf. Damals verstand ich: hier ist für viele gesunde Pferde “Endstation”, obwohl es anders sein könnte. Schnell wurde mir klar, dass ich hier irgendwie aktiv werden möchte. Nachdem ich schon seit Jahren im Tierschutz engagiert war, aber es für sogenannte Schlachtpferde kaum eine vergleichbare Lobby gab, wollte ich hier ansetzen. Mittlerweile ist es schon fast ein Trend geworden, Schlachtpferde zu retten. Das könnte mich ja erfreuen, hat aber einen üblen Beigeschmack, denn das geht aktuell in eine Richtung, die meiner Meinung nach nichts mehr mit Tierschutz zu tun hat. 

Mitleid und Emotionen

Jeder Mensch, der einigermaßen Empathie für Tiere aufbringen kann und womöglich auch noch Pferde liebt, ist emotional berührt, wenn er/sie Bilder von Pferden, die beim Schlachter stehen sieht. Meist haben sie nur noch wenige Tage Zeit bis zur Schlachtung. Man verfällt förmlich in Stress: es kann doch nicht sein, dass so ein tolles Tier einfach getötet wird, um gegessen zu werden!? Stimmt! So geht es tagtäglich aber vielen “Nutztieren” wie Rindern, Schweinen usw. auch. Aber Pferde sind Freunde und Freizeitpartner und keine Nahrung. Hier unterscheiden viele. Somit beginnt der Prozess: es wird innerhalb kürzester Zeit Geld für das arme Tier aufgebracht und vom Händler bzw. Schlachter freigekauft. Das ist der optimale Fall für das Pferd aber auch für den Schlachter. Meist sind die Preise weit über dem, was er eigentlich verdienen würde. Und dazu musste er noch nicht einmal viel tun. Denn ehrenamtliche Helfer haben ja für ihn den Vertrieb über Facebook übernommen. Eine einfache Art und Weise, Geld zu verdienen.

Natürlich soll objektiv betrachtet jeder von seiner ehrlichen Arbeit leben können. Wir alle müssen arbeiten, um uns unser Leben finanzieren zu können. Die Frage ist nur, was hat das noch mit Rettung zu tun? Sicherlich wurde in diesem Fall ein Leben gerettet und die Pferde können ja weiß Gott nichts dafür, dass sie beim Schlachter stehen. Natürlich hat jedes Tier ein Recht auf Leben. Allerdings habe ich in den letzten 15 Jahren, in denen ich im Tierschutz aktiv bin eines gelernt: retten? Auf jeden Fall aber mit Köpfchen! Wir werden leider nie alle Tiere retten können, aber wir können versuchen etwas an der Situation zu ändern, dass sie gerettet werden müssen.

Ehrenamtlicher Vertrieb für Schlachter

Das tun wir allerdings nicht, wenn wir das fragwürdige Geschäft von Schlachtern unterstützen. Denn dann werden es immer mehr Tiere zu immer höheren Preisen, die auf diese Art verkauft werden. Angebot und Nachfrage mit dem Ziel Profit. Da werden auf Facebook sogar Fotos bearbeitet, damit der Schlachter anonym bleiben kann. Warum? Weil sonst vielleicht fragliche Praktiken öffentlich werden könnten? Warum läuft die Vermittlung nur über Dritte und nicht über den Schlachter selbst? Stehen die Pferde vielleicht gar nicht wirklich bei einem Schlachter? Sondern ist das nur eine neue Art und Weise Geld zu verdienen? Es agieren mittlerweile Damen mit Fake-Profilen auf Facebook als Pferderetterinnen im Internet, bei denen quasi bewiesen wurde, dass sie in einer Beziehung mit Händler oder Schlachter stehen. Tolles Geschäftsmodell- NICHT!

Es gibt aber durchaus auch Schlachter/Händler, die transparent und seriös arbeiten. Die Pferden, die zu schade für die Schlachtung sind, eine Chance auf Vermittlung geben, angemessene Fristen setzen und dabei öffentlich als Ansprechpartner auftreten. Hier wird auch direkt mit dem Schlachter/Händer der Preis vereinbart und Vertrag geschlossen und nicht über Dritte. So weiß jeder woran er ist. Rein rechtlich dürfen auch keine Privatpersonen Pferdehandel betreiben. Dafür gibt es Auflagen sowohl vom Veterinäramt als auch vom Finanzamt. Es ist logisch, dass viele Menschen mittlerweile verunsichert und irritiert sind. Gerade im letzten Jahr sind Vermittlungsgruppen und Vermittlungsaktivitäten für Schlachtpferde förmlich aus dem Boden geschossen. Was ist nun seriös und was ist das Geschäft mit dem Mitleid. Was passiert, wenn das Geld erstmal geflossen ist? Vielen fällt es noch schwer, hier zu unterscheiden.

Wie retten?

In vielen dieser Vermittlungsgruppen liest man schon ganz zu Anfang “keine unnötigen Preisdiskussionen”. Das bedeutet, dass jeder eigentlich weiß, dass die Pferde unter Androhung der Schlachtung aber nicht zu Schlachtpreisen verkauft werden und man keine Lust hat, darüber zu diskutieren. Dabei ist es durchaus angebracht. Denn es verweist auf den gerade beschriebenen Sachverhalt.

“Wenn das Pferd beim Schlachter steht und nur noch wenig Zeit hat, dann ist die Dringlichkeit hier höher. Dann helfe ich lieber hier mit Spenden als einem Verein”. Genau diese Aussage zeigt, was wir schon länger spüren. Sobald nicht gewisse Punkte erfüllt sind wie: das Wort Schlachter, kurze Fristen und dazu passende Fotos, sieht man sich nicht wirklich gezwungen zu helfen. Aber das ist meiner Meinung nach das Absurde an der Sache. Man möchte lieber einem unbekannten Dritten dabei helfen, sich sein Auto, Haus usw. zu finanzieren, als einem ehrenamtlich und gemeinnützig agierenden Verein, bei dem man genau sehen kann, für was das Geld verwendet wurde? Was hat das mit Tierschutz zu tun? Ich bin mir sicher, dass die meisten dieser ehrenamtlichen VermittlerInnen das auch nur aus guter Absicht und Mitleid tun. Sie investieren viel Zeit und Nerven, um die Tiere vermeintlich zu retten. Dabei befeuern sie nur den Kreislauf, denn das Geschäft wird dadurch immer lukrativer. Und das kann man deutlich sehen, wenn man die letzten Jahre betrachtet. Tierschutz ist für mich, dort anzusetzen, wo es auch langfristig eine Änderung der Situation geben kann. Wir werden nie verhindern können, dass Pferde geschlachtet werden, so lange es Nachfrage für Pferdefleisch gibt. Das ist ein Fakt. Auf ein Minimum reduzieren können wir die Anzahl aber auf diese Art und Weise nicht. Im Gegenteil!

Was ist Tierschutz

Was ist also der Unterschied zwischen Tierschutz und einer Rettung? Wenn ich auf Facebook das Foto eines Pferdes beim Schlachter sehe, in das ich mich spontan verliebe und es kaufe, egal welche Umstände, dann ist das durchaus legitim und nachvollziehbar. Es ist die Rettung für dieses eine Tier aber eben kein Tierschutz. Ich mache diesen Menschen auch gar keinen Vorwurf! Ich möchte nur diejenigen zum Nachdenken anregen, die viel Zeit und Energie darauf verwenden, vermeintlich Tierschutz zu betreiben, das aber eigentlich nicht tun. Warum wollt Ihr nicht nachhaltig arbeiten?

Vereine wie wir oder auch andere, die sich auf die Rettung von Pferden spezialisiert haben, nehmen Pferde auf bzw. vermitteln oder kaufen diese, BEVOR sie überhaupt zum Schlachter kommen. Natürlich sind sie dann sicher, aber um Tierschutzarbeit machen zu können, sind die Vereine auf Spenden angewiesen. Sonst können sie ja nicht weiter machen!

Nachhaltige Tierschutzarbeit

Wenn man an der Basis ansetzt, Aufklärung betreibt und direkt die Besitzer vor Ort dabei unterstützt, ihre Pferde zu verkaufen bzw. zu vermitteln, dann erreicht man dadurch ein anderes Bewusstsein und die Chance auf eine langfristige Änderung. Wir erleben beispielsweise in Österreich und in Bezug auf Noriker durchaus eine Verbesserung in der Haltung der Menschen. Mehr Bereitschaft dazu, die Pferde nicht einfach zum Schlachten zu geben, sondern sie zu vermitteln. Dabei darf man die Menschen nicht verurteilen, sondern sollte Verständnis aufbringen und den konstruktiven Dialog suchen. Damit erreicht man viel mehr als man denkt! Das gilt genauso für Menschen, die in Not geraten sind und ihre Pferde nicht mehr halten können. Anstatt diese zu verurteilen und anzugreifen, so dass sie die Tiere womöglich “heimlich” zum Schlachter bringen, wäre es doch sinnvoll hier vorher anzusetzen, oder? Damit es weniger Schlachtpferde gibt. Das geht aber nur wenn Unterstützung da ist.

Wie arbeiten wir?

Unser Vereinszweck bezieht sich insbesondere auf Tierschutzarbeit für Pferde, Hunde aber auch andere Tiere. Hier haben wir befreundete Vereine an der Hand, die auf die verschiedenen Tierarten spezialisiert sind. Unser Fokus liegt auf Grund unserer geographischen Lage und auch persönlichen Bezug auf Noriker. Hier sind wir aber nicht festgelegt. Wir arbeiten grundsätzlich nur direkt mit den Besitzern von Pferden zusammen bzw. Ansprechpersonen vor Ort. Wir vermitteln keine Tiere von Schlachtern! Wenn nötig, nehmen wir Tiere auf und lassen ihnen, falls notwendig, Training oder Behandlung zukommen, bevor sie vermittelt werden können. Unser Ziel ist es zu verhindern, dass viele Pferde beim Schlachter landen und weiter ein Umdenken bei den Menschen vor Ort zu erwirken. Natürlich ist es bei den Tieren, die wir vermitteln nicht derart dringend, es sind eben keine Schlachtpferde, aber genau das ist ja unser Ziel. Dennoch benötigen auch sie eine Platz und Hilfe, sonst wird es irgendwann dringend. Wir arbeiten mit Spenden und Patenschaften (z.B. für Tiere die noch nicht vermittelt werden können) und jeder bekommt einen transparenten Nachweis darüber, was mit der Spende passiert und kann auch eine Bescheinigung fürs Finanzamt erhalten, da wir anerkannt sind. Wenn Ihr ein Pferd retten möchtet, dann helfen wir Euch auch gerne bei der Suche nach einem geeigneten Partner und stehen auch nach der Vermittlung noch mit Rat und Tat zur Seite. Dazu könnt Ihr Euch sicher sein, dass bei uns alles mit rechten Dingen läuft, was die Papiere und auch die Überwachung der Prozesse angeht. Bald werden in Österreich wieder die ersten Fohlen geboren, die bis zum Herbst auf ein gutes Zuhause hoffen. Wir würden uns sehr freuen, wenn Ihr uns dabei unterstützen würdet oder einen der anderen Vereine, die seriös arbeiten. Wenn Ihr Euch nicht sicher seit, fragt nach! Verlangt Verträge, Papiere und transparente Infos! Lasst Euch vor allem nicht erpressen! Vielen Dank für`s Lesen!

Sonja

1. Vorsitzende Epona Tierhilfe