Anfang des Jahres hatten wir erst wieder über das schmutzige Gesicht hinter dem Thema Tierschutz berichtet. Hier ging es unter anderem auch um die diversen Facebook-Gruppen, die mittlerweile schon im großen Stil mit Pferden unter dem Deckmantel der Pferderettung handeln. Gestern wurde nun endlich im NDR das Thema von Panorama 3 aufgegriffen und ausgestrahlt.

Wir waren seit letztem Jahr mit dem Redakteur Jan Körner vom NDR in Kontakt und haben ihn so gut wir konnten bei seinen Recherchen unterstützt. Nun wurde das Thema gestern Abend durch seine Reportage “Abzocke mit Pferderettung” einer breiten Masse zuteil. Diese Reichweite ist zwingend notwendig, um Menschen die Augen zu öffnen. Wir hoffen, dass es hier weitere Formate geben wird. Wer die Sendung verpasst hat, kann sie hier in der Mediathek des NDR anschauen:

 

 

Was sind die konkreten Kritikpunkte?

Was ist daran schlimm, Pferde zu retten und wo ist der Unterschied, ob man es in dieser Gruppe tut oder woanders? Menschen, die Pferde lieben, wollen meist einfach nur helfen und haben ein großes Herz. Und genau mit diesem Herz und mit dem Mitleid der Menschen wird hier gespielt und Profit gemacht. Pferde werden mit sehr kurzen Fristen und der konkreten Schlachtandrohung zum Verkauf angeboten. Die Preise sind hierbei oft nicht unerheblich und unterscheiden sich nicht von “normalen” Händlern, bei denen allerdings kein Schlachtdruck ausgeübt wird.

Konkret heißt das:

  • Pferde werden unter Schlachtdruck zu verhältnismäßig hohen Preisen schnell verkauft, das Mitleid der Menschen und freiwillige Retter den Vertrieb gut laufen lassen.
  • Es wird mit den Gefühlen der Menschen gespielt, um möglichst viel Gewinn zu machen. Das wird abgestritten und man stellt dies alles noch als eine Form der Rettung und Gutherzigkeit ohne jegliche monetäre Ziele dar.
  • Pferde, die gar nicht zur Schlachtung vorgesehen sind, werden ebenfalls unter Schlachtdruck verkauft. Herr Weber behauptet selbst, dass die Schlachtung und Verwertung dieser für Tiernahrung zulässig sei, was allerdings nicht der Fall ist! Kranke Tiere dürfen zwar geschlachtet, aber nicht verwertet werden. Mehr dazu gibt es hier. Ein absolutes Verlustgeschäft für Schlachter. Wenn man diese dennoch gut verkauft bekommt, ist das natürlich für den Verkäufer super.  Entweder der Betrieb schlachtet und verwertet also illegal Nicht-Schlachtpferde oder droht einfach nur mit einer möglichen Schlachtung, die nie stattfinden wird, damit diese Tiere noch möglichst gewinnbringend verkauft werden können. Beide Versionen sind fragwürdige Praktiken!

Nach der Reportage gab Herr Weber selbst in der Gruppe eine Stellungnahme dazu ab. Hier ein Auszug (inkl. Schreibfehler) dieser (Screenshot liegt vor):

Von unserem Betrieb gesehen müssen wir darauf hinweisen dass leider die Recherche von Panorama fehlerhaft ist. Wir weisen freundlichst darauf dass Herr Jan Körner seine journalistische Arbeit falsch gemacht hat. Die Schlachtung von Pferden mit dieser Deklaration ist zulässig und offizielle auch von unserer Firma durchgeführt.

Screenshot Panorama 3 Reportage

Entweder man ist also wirklich völlig davon überzeugt, dass man richtig handelt oder man weiß es nicht besser. Ich habe in der Gruppe Links und Belege zu diesem Thema gepostet und wurde daraufhin gesperrt. Das fördert natürlich die Annahme, dass Belege für die Wahrheit nicht erwünscht sind und dass man sehr wohl genau weiß was man tut.

Wie schon mehrfach erwähnt, ärgert uns weniger der Handel mit Pferden oder die Schlachtung. Der Herr ist Geschäftsmann und hat ein Recht darauf, sein Gewerbe zu führen. Er soll es aber bitte ethisch korrekt tun. Und das sind diese Praktiken eben nicht. Es gibt genügend Gegenbeispiele, die zeigen, dass es auch anders geht. Pferdemetzger Barz beispielsweise aus Neuwied verkauft grundsätzlich keine Pferde unter Schlachtfristen. Die Pferde sind grundsätzlich in einem guten Zustand und werden sehr gut gehalten. Hier weiß jeder woran er ist. Das ist nur ein Beispiel dafür, wie man es auch als Pferdemetzger besser machen kann. Aber das Geschäft mit dem Mitleid läuft seit ein paar Jahren gerade über Facebook sehr gut. So gibt es analog dazu auch in Österreich einen Schlachter, der ähnlich arbeitet wie Herr Weber. Vielleicht springen noch mehr mit auf den Zug auf? Das wäre absolut nicht wünschenswert.

Daher hoffen wir, dass die Reportage von Panorama den Grundstein gelegt hat, dass Menschen nachdenken, aufwachen und diese Machenschaften weiter aufgedeckt werden. Wir danken Jan Körner und dem NDR für die mutigen Recherchen und die Arbeit an diesem Thema!