Das neue Jahr beginnt für uns mit einer Art Resumee bzw. Rückblick in Bezug auf alles was Menschen unter dem Wort “Tierschutz” subsumieren. Gerade im letzten Jahr gab es hier eine Entwicklung, die wirklich bedenklich ist und hier muss ich mir als 1. Vorsitzende und Mensch, der seit über 15 Jahren im Tierschutz aktiv ist, mal etwas von der Seele schreiben.

Die Masche mit der Schlachtung

Zum Thema Schlachtpferde retten hatte ich bereits einen Artikel geschrieben. In der Zwischenzeit ist die Masche mit der Schlachtandrohung von Pferden aber noch verbreiteter. Warum? Weil es für Händler sehr lukrativ zu sein scheint, weil es genügend Menschen gibt, die ehrenamtlich diesen Vertrieb übernehmen und weil sie manche Menschen offenbar besser fühlen, wenn sie ein Pferd vor der Schlachtung bewahrt haben. Ob diese nun wirklich gedroht hat oder nicht. So hatten wir schon Anfragen für Pferde, die letztendlich uninteressant waren, weil sie ja nicht beim Schlachter stünden. Verrückte Welt, oder? Da kann man wirklich nur mit dem Kopf schütteln.

Beschreibung der Gruppe auf Facebook.

In Deutschland und in Österreich gibt es derzeit zwei “Gruppen”, die ich schon eine Weile beobachte. Beide nennen sich “Rettung” oder “Hilfe” o.ä. und implizieren den Menschen, dass es sich um Tierschutz oder sogar einen anerkannten Verein handele. Auf Facebook wurde die Kategorie “Hilfe und Unterstützung” gewählt. Dem ist aber nicht so. Beide Gruppen bestehen aus freiwilligen Menschen, die exklusiv für jeweils einen Großhändler und Schlachter agieren. Das heißt diese Personen posten Pferde mit Schlachtandrohung auf Facebook, die ausschließlich von diesem Auftraggeber kommen. Private Pferde, die ein Zuhause suchen, dürfen dort nicht gepostet werden. Preisdiskussionen sind nicht erlaubt und jeder, der etwas hinterfragt spürt schnell das Echo. Und es werden jede Woche mehr. Vor zwei Jahren bin ich das erste Ma auf diese Gruppe rund um den Herrn aus Deutschland gestoßen. Da handelte es sich wahrscheinlich noch um eine Testphase. Es wurden vereinzelt Pferde angeboten aber kein Vergleich zu heute! Damals waren es hauptsächlich Shetlandponys, Tinker und Kaltblüter aus Holland. Heute sind auch durchaus Rassen dabei, die eine breite Masse ansprechen. Das Geschäft ist also im vollen Gange!

 

Großhandel von Pferden über Facebook

Ich persönlich hätte gar nichts dagegen, dass dort Pferde vom Schlachter angeboten bzw. verkauft werden. Auch zu welchem Preis ist mir egal, denn den bestimmt ja der Verkäufer. Aber dann bitte ehrlich und mit offenen Karten! Würde die Gruppe z.b. Schlachtpferde von Herrn xy heißen, so wüsste jeder woran er ist. Aber das zieht natürlich nicht so gut wie das Wort Rettung oder Tierschutz und vor allem ganz kurze Fristen! Außerdem wollen diese Händler meist im Hintergrund bleiben. Warum wohl? Naja, sie möchten nicht für das was sie tun kritisiert werden und haben ja auch genügend Damen um sich, die ihre Freizeit damit verbringen, ihre Pferde zu verkaufen. Die deutsche Gruppe wurde in der Form schon öfter geschlossen und wieder neu eröffnet. Unseriöse Dinge passieren im Hintergrund, kranke Pferde wurden transportiert und Gesundheitszeugnisse fehlten. Hier sind einige Menschen an Recherchen dran und ich denke dass sich hier im Laufe des Jahres einiges aufgedeckt wird. Ich persönlich kenne nur einen Schlachter, der hier völlig seriös und offen vorgeht: Herr Barz aus Neuwied. Er setzt keine Fristen, er steht offen dazu dass es seine Pferde sind und bemüht sich um gute Plätze. Es geht also auch anders!

 

Transparenz vs. Mitleid

Mein großes Mitgefühl gilt all den Pferden. Auch für mich ist es schwer zu ertragen, dass diesen wunderbaren Tiere von der Schlachtung bedroht sind oder schlimme Dinge erlebt haben oder noch erleben werden. Aber so lange Menschen Fleisch essen, wird es auch eine Nachfrage dafür geben. Sicherlich ist es positiv, wenn durch eine breite Masse und Reichweite, Pferde vor der Schlachtung bewahrt werden können. Das versuchen wir auch, aber mit den Gefühlen der Menschen zu spielen ist niederträchtig. Pferde, die von Anfang an für die Schlachtung vorgesehen sind, werden in diesen Gruppen gar nicht gepostet bzw. für eine Vermittlung freigegeben. Es handelt sich dabei um Pferde, bei denen man eine gute Chance auf Verkauf sieht. Sicher kann ihnen irgendwann das Schicksal Schlachtung auch drohen, ABER sie sind in erster Linie nicht dafür vom Händler eingekauft worden. Sondern rein dafür, um sie auf Facebook usw. gewinnbringend zu verkaufen. Ein gutes Geschäft. Und natürlich muss jeder sein Geld verdienen, aber auf diese Art und Weise? Menschen nehmen mangelnde Transparenz wohl gerne in Kauf, wenn das Mitleid nur groß genug ist.

Wir haben vor Jahren damit begonnen, Pferden zu helfen, indem wir direkt den eigentlichen Züchtern bzw. Besitzern helfen und einen Anreiz geben, die Tiere zu vermitteln, umzudenken und nicht einfach zu einem Händler oder Schlachter zu geben. Das hat u. A. dazu geführt, das in der Tat z.B. weniger Noriker Fohlen geschlachtet wurden. Durch diese Gruppen wird es wieder schwieriger, da sie mit sehr viel emotionalem Druck arbeiten und im großen Stil arbeiten. Es passiert also genau das Gegenteil: der Händler bzw. Schlachter wird immer kommerzieller arbeiten und immer mehr Pferde aufkaufen, weil es sich lohnt. Eine traurige Entwicklung unter dem Deckmantel Tierschutz! Wir hoffen, dass die breite Recherche, die gerade läuft, Aufklärung auch für die breite Masse bringt. Allerdings gibt es auch noch ganz andere Psychopathen, die unter dem Deckmantel Tierschutz agieren!

“Tierschützer” Psychopathen

Mir ist ja schon einiges passiert in meiner Zeit im Tierschutz, aber es gibt immer noch Steigerungen. Wir bekamen eine Anfrage eines Herren, der jetzt bitte sofort ein Pferd retten möchte. Da wir zu diesem Zeitpunkt kein Pferd selbst in der Vermittlung hatten, habe ich ihn an eine Freundin weitergeleitet, die mir von einer älteren Stute erzählte. Diese stand bei einem Händler und Schlachter, der allerdings im Gegensatz zu den oben genannten Herrschaften nicht auf Facebook bzw. öffentlich agiert. Ihr lag etwas an dieser Stute und es war klar, dass sie nur schwer zu vermitteln sei. Ich selbst kenne diesen Händler nicht und hatte auch keinen Kontakt. Also stellte meine Freundin diesem Herrn die Stute vor. Erklärte wo sie steht und gab ihm den direkten Kontakt zum Händler. Alles weitere lief dann direkt über die zwei Herren. Er kaufte die Stute und telefoniert häufig mit dem Händler. Bis sie letztendlich bei ihm einzog, hörte ich hier nichts mehr.

Die Stute war weder ein Pferd unseres Vereins noch haben wir sie vermittelt. Ich habe lediglich einen Kontakt hergestellt, weil mir der Fall in den Sinn kam und ich so hoffte, dass noch ein Pferd eine Chance bekommen könnte.

Wenn ich gewusst hätte, was danach noch alles passiert, hätte ich anders gehandelt!

Der besagte Herr ist sehr aktiv auf Facebook und postet fast täglich jegliche Form von Information, ob sie nun die Öffentlichkeit interessiert oder nicht. Auch bezüglich seiner neuen Stute. Das fand ich zunächst gut, so konnte ich verfolgen, wie es läuft. Auch wenn es kein Pferd unseres Vereins war, liegt mir ja dennoch etwas daran zu sehen, was aus den Tieren wird. So weit so gut. Bis seine positive Euphorie wohl plötzlich ins Gegenteil umschlug

Am Silvesterabend bekam ich dann eine merkwürdige Nachricht. Der Schlachter, mit dem er den Vertrag geschlossen hatte und wohlgemerkt auch fast täglich telefoniert hatte, sei auf Facebook und habe bei ihm etwas kommentiert! Das ginge ja gar nicht. Er konnte mir auf mehrfaches Nachfragen aber weder beantworten was dieser Schlachter kommentiert haben soll, noch das Posting zeigen. Nun ja, wer ist nicht auf Facebook und wenn alles auf öffentlich eingestellt ist, kann nunmal auch jeder kommentieren. Ich wusste nicht wirklich, was er von mir wollte.

Kurz darauf fing er an uns Korruption und eine Kooperation mit dem Schlachter zu unterstellen und extrem beleidigend zu werden (Screenshots sind natürlich gesichert). Des Weiteren drohte er mir, er wollte uns öffentlich schlecht machen. Ich lass mir grundsätzlich nicht drohen! Wäre es nicht so traurig und erschreckend, wie manche Menschen drauf sind, hätte ich wirklich gelacht. Denn wir sind bekanntlich eine Organisation, die eben nicht verdeckt mit Schlachtern oder Händlern zusammenarbeitet, was auch einfach belegbar ist. Den besagten Schlachter kenne ich nicht einmal. Ich selbst kritisiere so etwas ja, wie oben zu lesen ist. Offenbar verstand er auch nicht, dass wir sein Pferd ja nicht vermittelt haben, sondern lediglich einen Kontakt weitergegeben haben. Er ist nun wohl der Meinung eine öffentliche Hetzjagd durchführen zu müssen. Und wenn man auf sein Profil schaut, sieht man dass wir hier nicht die einzigen sind bzw. waren. Offenbar hat der Herr ein Problem! Dies ist ein Punkt, an dem ich mich nun doch um das Pferd sorgen muss.

Warum erzähle ich diese Geschichte? Weil sie mal wieder zeigt, was alles unter Tierschutz gezählt und wie dieser Begriff verwendet wird. Weiterhin damit hier jeder nachlesen kann, was eigentlich genau die Situation ist. Hier kann mich auch gerne jeder kontaktieren, Screenshots einsehen und nachfragen. Und zu guter Letzt damit Ihr alle gewarnt seid! Selbst wenn man denkt, man hätte schon vieles erlebt, im Tierschutz wird immer wieder jemand aus einem Eck kriechen, der dich eines besseren belehrt. Warum nicht aufhören mit dem Tierschutz? Weil wir es für die Tiere tun, nicht für die Menschen! Danke für Eure Aufmerksamkeit!