Der Fall des Ulrich K. ging in den letzten Tagen breit duch die deutschsprachigen Medien. Ein bekannter und verurteilter Tierquäler, der in Hefenhofen in der Schweiz auf seinem Hof knapp 100 Pferde und weiterhin Rinder, Schweine, Ziegen, Lamas, Hunde und Katzen hielt. Das ganze unter katastrophalen Bedingungen. Bilder von toten oder abgemagerten Tieren sowie verdreckte Ställe und verschimmeltes Brot ließen keinen Menschen mit Herz kalt. Aber der Fall Urlich K. beschäftigt die Schweizer Tierschützer schon seit Jahren. Mit der Beschlagnahmung aller Tiere am 07.08.17 und in Gewahrsamnahme des Ulrich K. scheint die Odysee nun ein Ende zu haben. Aber auch für die Tiere?

Odysse des Quälhofs vorbei?

Seit Mai 2005 verfolgt die Schweizer Organisation Verein gegen Tierfabriken nun schon die Zustände auf dem Hof des Ulrich K. in Hefenhofen. Die Dokumentation der Vorwürfe und Ergeinisse liest sich schon fast wie ein Krimi. Nach über 12 Jahren hat man nun gehandelt, und das mit aller Konsequenz. Die Tiere wurden alle beschlagnahmt und unverzüglich vom Hof geholt. Über 90 Pferde wurden von der Schweizer Armee ins Kompetenzzentrum Veterinärdienst und Armeetiere nach Bern verbracht. Hunde und Katzen wurden einem Tierheim übergeben, Lamas, Schafe und Ziegen Händlern und entsprechend spezialisierten Betrieben. Was das “Nutzvieh” betrifft so haben wir folgendes  Statement des Kantonstierarztes Dr. Witzig:

“Kühe, Schweine, Schafe und Ziegen gingen zu einem Viehhändler. Dabei wurden sie auch auf ihre Verwendbarkeit geprüft und tierärztlich auf ihre Gesundheit abgeklärt. Zwei Drittel der Kühe wurden aus wirtschaftlichen Gründen geschlachtet. Alle übrigen Tiere sofort für den Verkauf freigegeben. Rund ein Drittel der Schweiz wurde ebenfalls der Schlachtung zugeführt, weil die Tiere Z.B. unter Nabelbrüchen, Hodenbrüchen oder Krytorchismus litten. Alle anderen Schweine befinden sich in einem Maststall, wo sie ordentlich ausgemästet werden. Die Ziegen wurden von einer Tierschutzorganisation, die Schafe von einem Schafhalter übernommen. Die Lamas sind auf einem spezialisierten Betrieb gebracht worden und der Rückkauf durch die ehemaligen Besitzer ist eingeleitet. “

(Anm.: Zitat inkl. Schreibfehler wie im Original)

Für Die Rinder und Schweine dürfte der Weg also ein jähes Ende genommen haben durch die “Rettung”. Leider haben diese Tiere kaum eine Lobby, weil sie allgmein eben als Nahrungslieferanten angesehen werden und weniger als fühlende Lebewesen. Wir bedauern sehr, dass man hier keine anderen Möglichkeiten in Erwägung gezogen hat. Das wäre man den Tieren nach all den Jahren Qual schuldig gewesen.

Lichterfelde 2.0?

Die Pferde des Ulrich K. haben dagegen eine breite Aufmerksamkeit über die Schweizer Grenzen hinaus. Kurze Zeit nach der Beschlagnahmung wurde ein Katalog der Pferde online gestellt mit dem Hinweis, dass alle Pferde für 800 CHF zzgl. weiterer Kosten wie Ausfuhr und transport verkauft werden. Hierzu solle man sich per Mail ans Veterinäramt des Kanton Thurgau wenden. Vor nicht allzu langer Zeit spielte sich in Deutschland ein ähnlicher Fall ab. Ende letzten Jahres wurden über 70 Pferde eines Herrn in Lichterfelde (Sachsen-Anhalt) beschlagnahmt. Diese wurden nach sechs Monaten vom zuständigen Veterinäramt versteigert. Diese Versteigerung war für alle Tierschützer ein großer Hohn, da die meisten Tiere zu Händlern gingen und das zu sehr hohen Preisen. Wir haben eines dieser Pferde bei uns: Avalon hat einen Gnadenplatz. Wir wissen also, was solch eine Aktion bedeutet- vor allem für die Pferde. Deshalb haben wir sofort per Mail Kontakt mit dem Veterinäramt aufgenommen und unsere Hilfe angeboten. Sei es bei der Vermittlung oder auch bei der Aufnahme von ein oder zwei Pferden. Zunächst bekamen wir folgende Standardantwort, da das Amt wohl mit Mails überflutet wurde (was zu erwarten war):

Sehr geehrte Damen und Herren,

Vielen Dank für Ihre E-Mail und ihr damit bekundetes Interesse an einem oder mehreren Pferden. In den letzten Tagen wurden wir von sehr vielen Anfragen überschwemmt, was uns einerseits sehr freut, andererseits die Platzierung nicht vereinfacht. Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass für die Pferde keine vorübergehenden Pflegeplätze, sondern nur definitive neue Haltungen gesucht werden. Wir möchten niemandem die Übernahme eines Pferdes vorenthalten, jedoch ist es unsere Pflicht darauf hinzuweisen, dass die „Rettung“ eines Pferdes mehr bedeutet als die blosse Übernahme. Unter anderem muss eine tierschutzkonforme, artgerechte Haltung gewährleistet und eine korrekte Meldung in Agate vorgenommen werden. Bitte überlegen Sie es sich gut, ob sie bereit und in der Lage sind, diese Verpflichtungen wahrzunehmen oder nicht.

Sollten Sie weiterhin ernsthaftes Interesse am Kauf eines (oder mehrerer) dieser Pferde haben, so haben Sie die Möglichkeit, am Donnerstag 17. August 2017 ab 09:00 Uhr in der Kaserne Sand in Bern Schönbühl die Pferde zu besichtigen, am Verkauf teilzunehmen und allenfalls ein Pferd nach Unterzeichnung des Kaufvertrages mitzunehmen. Bitte haben Sie Verständnis, dass es bei den meisten Pferden mehrere Interessenten gibt und wir Reservationen oder Wünsche nicht immer werden erfüllen können.

Transport ist Sache des Käufers. Sämtliche anfallenden Kosten im Zusammenhang mit dem Erwerb eines dieser Pferde gehen vollumfänglich auf den neuen Besitzer über.

Freundliche Grüsse
Kanton Thurgau
Departement für Inneres und Volkswirtschaft
Veterinäramt
Sekretariat
Spannerstrasse 22
8510 Frauenfeld

Tel.: + 41 (0) 58 345 57 30
Fax: + 41 (0) 58 345 57 31
E-Mail: veterinaeramt@tg.ch
Homepage: www.veterinaeramt.tg.ch

Avalon

Während wir anfangs noch zuversichtlich waren, dass es hier besser ablaufen würde als in Lichterfelde und man doch offensichtlich darum bemüht ist, gute Plätze für die Pferde zu finden, offenbarte sich durch diese Antwort doch die reelle Situation: auch hier wird es zu einem öffentlichen Verkauf kommen und es ist völlig egal, wer die Pferde erwirbt. Lichterfelde 2.0? Werden hier auch die meisten Pferde an Händler gehen und außer Landes gebracht? Denn wie soll dies bei solch einer Praxis ernsthaft überprüft werden? Händler und Schlachter sind hier genauso eingeladen wie alle anderen Personen, die sich für die Pferde interessieren. Ob es sich nun um eine konkrete Auktion handelt, darüber gibt es widersprüchliche Aussagen. Wir werden es nach dem Termin wissen und darüber berichten. Fakt ist aber, dass diese geschundenen Tiere so kurze Zeit nach ihrer “Rettung” nun einem ungewissen Schicksal zugeführt werden. Auch sie kommen quasi vom Regen in die Traufe.

Epona Tierhilfe vor Ort in Bern?

Da wir nicht weit von der Schweiz entfernt sind, planten wir ursprünglich vor Ort zu sein. Allerdings erfuhren wir vom Veterinäramt per Mail folgendes:

Da die meisten Pferde keine Papiere haben, dürfte ein ordentlicher Export nicht einfach und rasch erledigt werden können und Sie müssten wahrscheinlich in der Schweiz noch eine Bleibe suchen. Ich würde Ihnen deshalb eher abraten.

Logischerweise können wir keine Pferde ohne gültige Papiere nach Deutschland bringen. Noch dazu ist die Schweiz kein EU-Mitgliedsstaat und das Pferd muss auch verzollt werden. Die einzige Möglichkeit wäre also, eine Zwischenstation in der Schweiz und ein späterer Export. Hier haben wir uns dagegen entschieden. Es sind viele gute Organisationen aus der Schweiz vor Ort und wir möchten den Tieren unnötigen Stress durch häufige Wechsel und Transporte ersparen. Wir hoffen derzeit sehr, dass alle einen guten Platz in der Schweiz erhalten. Falls dem nicht so ist, haben wir dennoch unsere Hilfe angeboten. Sollten also am Donnerstag beim Verkauf Pferde übrig bleiben, haben wir das Veterinäramt und anderer Tierschutzorganisationen gebeten, uns zu informieren.

Es stellt sich allerdings die Frage, warum das Veterinäramt Thurgau überhaupt Pferde ohne Equidenpass verkaufen darf?! Zwar wurden alle gechipt, aber dennoch müssen ja die Papiere dazu ausgestellt werden. Warum muss es überhaupt so schnell gehen? Sicherlich müssen die Pferde schnellstmöglich vermittelt werden, aber bei dem jämmerlichen Zustand, den einige hatten, wäre eine längere Phase der Genesung doch angebracht gewesen!

 

Tierschützer arbeitet zusammen!

Unsere Erfahrung aus Lichterfelde hat gezeigt: nur gemeinsam ist man stark! Alle, die zum Verkauf vor Ort sind: formiert Euch, sprecht Euch ab, arbeitet zusammen und nicht gegeneinander! Treibt nicht unnötig die Preise nach oben, sondern geht strategisch vor! Versucht Eure Emotionen im Griff zu haben und lasst Neid und Missgunst beiseite. Im Grunde wollen wir alle das Gleiche: dass es den Tieren besser geht! Es gibt diverse Gruppen auf Facebook, in denen man sich hier absprechen kann. Das sollte man auch unbedingt tun! Hier werden auch Fahrgemeinschaften und Übergangsplätze organisiert und angeboten.

Wir hoffen inständig, dass der Verkauf morgen gut abläuft und die Pferde gute Plätze bekommen. Menschen vor Ort möchten uns berichten und auch Fotos machen. Dazu werden wir dann einen weiteren Artikel über den Ausgang anfertigen. Wer noch Infos beisteuern möchte, soll sich gerne an uns wenden. Wer unsere Unterstützung oder Hilfe braucht ebenfalls.

Falls wir noch ein oder zwei Pferde aufnehmen brauchen wir aber auch Eure Unterstützung. Wir können unsere Arbeit nur weiter machen, wenn regelmäßige Hilfe kommt. Wir danken Euch!