Die Versteigerung von über 70 Pferden in Lichterfelde, Landkreis Stendal, hat weite Kreise gezogen. Auch wir wollten, dank einer lieben Spenderin, ein oder zwei Pferden eine Chance geben, was allerdings nicht geklappt hat. Die Mehrzahl der Pferde ging an gewerbliche Bieter aus Deutschland und Europa. Aber warum werden Pferde beschlagnahmt, mühevoll aufgepäppelt um sie dann einem ungewissen Schicksal zu überlassen?

Der große Pferdebestand eines 54-jährigen war offenbar verwahrlost und einige Tiere kurz vor dem Verhungern. Das zuständige Veterinäramt hatte den Herrn wohl schon länger unter Beobachtung als irgendwann die Entscheidung fiel, die Tiere zu beschlagnahmen. Über 70 Pferde mussten untergebracht und auf Kosten des Veterinäramtes gepflegt und medizinisch versorgt werden. In zweiter Instanz kam es trotz rechtlicher Schritte seitens des ehemaligen Besitzers zur öffentlichen Versteigerung der Tiere. Das Veterinäramt veröffentlichte einen Katalog, in dem jedes Pferd mit Namen, Alter, Rasse und Bild aufgeführt wurde. Wir und andere Tierschutz-organisationen sowie private Pferdefreunde teilten diese Info weitläufig, um zu verhindern, dass zu wenig Menschen zur Auktion kommen, die den Pferden eine Chance geben wollen. Wir selbst konnten nicht vor Ort sein, hatten aber Kontaktpersonen dort und ein kleines Budget für ein oder zwei Freikäufe. Weiterhin bestand enger Kontakt zu KoMet e.V. und Global Chance for Animals e.V. die ebenfalls Leute bei der Versteigerung hatten. Eigentlich waren wir zuversichtlich, dass wir gemeinsam Tieren helfen können. Diese waren in einem gepflegten Zustand, sichtlich besser als auf den Bilder im Katalog. Leider lief es doch anders als wir alle dachten.

Ablauf der Versteigerung

Die Versteigerung fand direkt vor den einzelnen Boxen der Pferde statt. Diese wurden also nicht geführt oder herausgeholt. Man konnte sie lediglich von außen betrachten. Vor den Boxen selbst war nicht viel Platz. So wurde es sehr eng. Schilderungen von Menschen vor Ort beschrieben es so, dass man als Privatmensch kaum eine Chance hatte, in die Nähe des Auktionators zu kommen. Dieser war wohl umringt mit gewerblichen Bietern, die natürlich auch in diesem Bereich weitaus routinierter sind.

Eine anonyme Zeugin schilderte uns die Situation wie sie sie vor Ort erlebt hat:

Ich möchte meinen Eindruck zur Auktion am heutigen Tag in Lichterfelde schildern. Ich hatte vor ein Pferd zu “ersteigern”. Jedoch war dies schier aussichtslos. Es begann und es war kein rankommen an den Auktionator. Er sprach auch relativ leise, wenn man etwas weiter weg stand konnte man nichts verstehen. Und ohne richtig vollem Geldbeutel war wirklich kaum etwas zu machen. Letztendlich habe ich mich in Abständen vor zwei Boxen platziert und mich direkt neben den Auktionator gestellt um das Geschehen zu beobachten. Und von diesen zwei Pferden entstand der jetzt aufgeführte Eindruck! Ich stand also mit meiner Freundin vor der Box 11 im ersten Stall, die Menschenmenge schob. Ich hatte mich mit meinen Kindern extra hinter dem Tränkebecken aus Beton platziert um nicht verdrängt werden zu können.

Kaum ein Durchkommen.

Der Plan ging auf. Der Auktionator stand neben mir. Der Schlag mit seinem Hämmechen zum Start erklang erst als mit der Menschenmenge zwei Herren bereit waren. Einer nickte ihm zu, dieser erhielt später auch den Zuschlag. Wie sich später heraus stellte war es der Holländer. Der Ton erklang also. Die bieterei ging los. Der Augenkontakt der zwei Herren zu dem Auktionator war auffällig. Ich habe gleich zu meiner Freundin gesagt, das es hier sicher nicht mit rechten Dingen zu gehe. Vor mir blickte mir plötzlich ein großer junger Mann etwas beängstigend in die Augen. Da ich jemand bin der den anderen weg schauen lässt, trafen sich unsere Blicke relativ lange. Mein Eindruck war, dass der Herr und der neben ihm zu dem Höchstbietenden gehörten. Ich glaube er hätte mich gern raus geschafft. An der letzten Box des ersten Stalles zeigte sich ein ähnliches Bild. Hier vertat der Auktionator sogar noch einige Sekunden/ Minuten bis der Holländer “ran” war. Und da war mir bewusst das, dieser bevorteilt wird. Glücklicherweise war ein Mädel vor Ort, die dieses Pferd um jeden Preis haben wollte. Der Holländer drehte sich irgendwann weg und für mich schien es so als wäre es das Zeichen an den Auktionator das er aussteigt. Das Pferd ging also an das Mädel. Ich weiß nicht ob ich mich verrenne aber mein Bauchgefühl verbunden mit dem objektiv wahrgenommenen lässt es mich so vermuten.

 

Fazit der Versteigerung nach unseren derzeitigen Informationen:

Es waren wohl ca. 600 Menschen vor Ort und die Pferde wurden restlos versteigert. Die Einnahmen belaufen sich auf ca. 87.500 Euro. Die Pferde wurden fast ausschließlich zu Preisen über 1000 Euro versteigert. Meistens an die gewerblichen Bieter. KoMet e.V. hat es lediglich geschafft, einen Hengst zu retten. Wir hatten keine Chance. Laut Aussagen der Menschen vor Ort, gingen lediglich 12 Tiere an private Bieter. Ein Händler aus Holland hat 13 der Pferde gekauft und bietet sie gegen akzeptablen Aufpreis weiter zum Verkauf an. Was mit den anderen Pferden passiert, wissen wir leider zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Die meisten Pferde hatten Ersatzpässe und sind somit eigentlich nicht zur Schlachtung vorgesehen. Ob das jemand letztendlich überprüft ist die große Frage, vor allem wenn die Tiere im Ausland landen. Die sehr hohen Preise, die gerade für die Kaltblüter erzielt wurden (teilweise 2.000 Euro) machen doch skeptisch. Wahrscheinlich tauchen einige davon bald wieder im Internet auf, damit man sie kurzfristig für teures Geld vor der Schlachtung retten kann.

Offene Fragen und Kritik

Zurück bleiben viele offene Fragen:

  • Warum gelang es so wenigen Privatmenschen, Pferde zu ersteigern?
  • Wurden Händler wirklich bevorzugt?
  • Warum hat man Händler in der ersten Runde überhaupt zugelassen?
  • Wieso wurden Tiere vermeintlich gerettet und gepflegt, um sie dann einem ungewissen Schicksal zu überlassen? Hier gibt es die Stellungnahme des Veterinäramtest Stendal, warum die Tiere überhaupt beschlagnahmt wurden: klick.
  • Was hat das alles mit Tierschutz zu tun?

Dass das Veterinäramt die sicherlich hohen Kosten für die Pflege und Unterbringung der Tiere irgendwie wieder decken muss, ist klar. Aber warum werden Pferde “gerettet”, ein halbes Jahr gepflegt um sie dann ins Ausland zu verkaufen, wo sie wahrscheinlich auf berüchtigten Fleischmärkten landen? Das macht für uns nicht wirklich Sinn. Es gab ein großes Interesse seitens Tierschutzorganisationen und Privatleuten. Man hätte das sicherlich anders lösen können. Vereine und Organisationen sollten hier künftig besser zusammenarbeiten! Denn wir verfolgen alle das gleiche Ziel. Somit wäre das Gegengewicht zu den Händler ggfs. besser gewesen. Beispielsweise gibt es jetzt schon die Möglichkeit der Vereine sich hier zu vernetzen: Pferdeschutz Deutschland. Derzeit verhandeln noch liebe Menschen mit dem Händler in Holland und es bleibt die Hoffnung, dass wenigstens diese 13 Pferde noch an Menschen gehen, die sie als Pferdepartner haben möchten. Dass ausgerechnet diesem Händler vor Ort die Reifen zerstochen wurden, ist für uns nicht nachvollziehbar und verurteilen wir! Egal wie wütend man ist. So etwas ist unrecht und es führt auch nicht zu Gerechtigkeit! Danke an alle, die in den letzten Tagen so gut zusammen gearbeitet haben!

UPDATE:

Wir können doch noch wenigstens einem der Pferde einen Gnadenplatz bieten. Dieser Kaltblutwallach steht beim Händler in Holland. Wir können ihn freikaufen, natürlich zu einem Aufpreis. Das ist ärgerlich, denn wären wir auf der Versteigerung zum Zuge gekommen, wäre das nicht notwendig gewesen. Dafür können aber die Pferde nichts. Im Katalog hatte er die Nummer 108. Wir sind auf Eure Hilfe in Form von Spenden und Patenschaften angewiesen! Bitte unterstützt uns, auch Kleinigkeiten helfen. Das Ausstellen einer Spendenquittung ist kein Problem, dazu einfach eine Mail schreiben. Wir werden den aktuellen Stand der eingegangenen  Spenden auf unserer Facebook-Seite immer aktuell halten. Außerdem arbeiten wir derzeit in Kooperation mit anderen Vereinen an einer Spendenkampagne für alle Pferde aus der Aktion, um noch möglichst viele vor eine schlimmen Schicksal zu bewahren Dazu gibt es bald mehr Infos. Spenden könnt Ihr über:

  • Paypal: info@epona-tierhilfe.de
  • Bankverbindung: FI26 7997 7997 6973 91   BIC: HOLVFIHH